Montag, 16. Februar 2015

Nachgeschmeckt - Valentins SupperClub

Wo Freitag der 13. aufhört, da geht diese Geschichte erst richtig los.

Samstag der 14.

Und das im Februar.
Valentinstag am Wochenende.

Was gibt es da besseres, als sich einem lüsternen Menü hinzugeben und zu schwelgen. Danke, liebe Gäste, dass ihr dabei ward! Ich hoffe, ihr hattet ne Menge Spaß und konntet die aphrodisische Wirkung der Zutaten zuhause verarbeiten (imaginieren Sie an dieser Stelle bitte ein kehliges Schnurrgeräusch ... Rrrrrrrrrrrrrr).




Angelegt war das Dinner auf die Verwendung einer maximalen Menge natürlicher Aphrodisiaka - so war der Abend auch gleich eine Forschungsveranstaltung in Sachen Wuschigkeitssteigerung durch die Aufnahme kulinarisch-stimulierender Substanzen. Es lebe die Wissenschaft! So macht forschen Spaß.

Schmecken wir doch mal nach, was da die Zungen kitzelte.


Der Aperitif: L'Amour Pur feierte die Erdbeere als klassisches Aphrodisiakum. Die Erdbeere entfaltet ihre erotische Wirkung nicht nur dann, wenn man sich neckisch gegenseitig mit den prallen roten ObstPralinen füttert - sie haben auch Inhaltsstoffe, die der Libido dienlich sich: Fruchtzucker und Vitamin C steigern die Ausschüttung von Sexualhormonen, der zusätzlich enthaltene Zink gibt dem Testosteronfluss einen Kick.

Im Aperitif L'Amour Pur finden Erdbeeren, Wodka, Campari und Champagner zusammen. Wer ihn mal nachbauen will, der kann sich an etwa dem nachfolgenden Mischverhältnis versuchen und kann sich dann über einen neckischen Enthemmungsdrink freuen, der zudem sehr hübsch rot ist und den Appetit in jede Richtung anregt.


4 cl Erdbeerpüree

2 cl Campari
2 ck Wodka
1 cl Zuckersirupl
--- all das gut verrühren
--- all das in ein Longdrink- oder Sektglas füllen
--- mit kaltem Champagner oder Cremant aufgießen
Hurra!


L'Amour Pur - der Aperitif
Damit der Aperitif nicht so einsam ist, bekam er einen kleinen Gruß aus der Küche zur Seite:
Das kleine Küchenservus: Schön schaumige AvocadoMousse, thailändisch mariniertes Wachtelei, Salzmandeln und Saiblingskaviar

Der erste Gang: Feige küsst Ziege. Die Feige darf in keiner Liste der lustmachenden Nahrungsmittel fehlen. Die Fachliteratur ergeht sich dabei zum einen über die Optik, die allem Anschein nach bei vielen Feigenaufschneidern zu Hohohos und Hihi-Weißt-Du-Wie-Das-Aussieht führt. So etwas machen wir hier natürlich nicht. Wissenschaft!! Die Feige ist reich an vitalisierenden Stoffen wie Eisen, Phosphor, Zucker und Kalzium - und gerade von Phosphor wird gesagt, dass dieser Schmitz' Katze ganz besonders das Nackenhaar stellt. Die Feige wird zart mit VanilleSalz gewürzt und dann leicht abgeflammt - sie befindet sich in Gesellschaft mit gebackenem Ziegenkäse und einem schön roten Salat aus Radicchio, roter Beete, Rotlohl, Nüssen und Granatapfel. Und der Granatapfel ist die nächste Zutat aus dem großen Fundus der natürlichen Beischlafsmotivatoren. Allerdings ist er auf der inhaltsstofflichen Seite eher zurückhaltend - zwar soll er zellerneuernd wirken und Vitamin C bringt er auch mit - aber insgesamt betrachtet punktet er eher mit Symbolismus. Diese pralle rote Form, das sinnliche Wölb, das geschmeidige Rund ... und der Mythologie nach war der das Lieblingsobst von Göttin Aphrodite, deren Profession ja dem Wort "Aphrodisiakum" seine Bedeutung einhauchte.


Weit offene Feigen erwarten ihre baldige Gratinierung. Entflamme, Feige, entflamme!
Der erste Gang im Gesamtbild: Mehrfach roter Salat, gratinierte Feigem Ziegenkäse, Traubethymianreduktion
Begleitendes Getränk dieser Runde: Ein schön prickelnder Lambrusco, der wieder einmal zeigt, dass Lambrusco eben viel mehr sein kann als viel zu süßer flüssiger Kopfschmerz. Dieser charakterstarke und ungemein dunkelbeerige Drunk vom Agriturismo Opera02 bei Modena spielt mit den bitteren Aromen im Salat und verbindet die Süße der Feige mit dem Käse und der Thymanreduktion.


Der zweite Gang: Techtelmechtel von Sellerie und Pilz. Sellerie liegt dieses mal unten - über ihm ein zarter Schaum vom Steinpilz - und darüber: Eine Jakobsmuschel. Der Sellerie ist ein Veteran unter den Feuerentfachern aus dem Garten - das Internet behauptet, dass man den Sellerie auch als Geilwurz, Stehpiperkraut - und in Südhannover auch als Böckerkruit kennt. Und nach allem was man so weiß, wissen die Leute in Südhannover wovon sie sprechen, gilt Südhannover doch als die Wiege der modernen Forschung in fast jedem Bereich und generell als Hort der Weis- und Geilheit.

Die Erklärung für die erotisierende Wirkung des Selleries klingt jetzt nur bedingt sexy ... es liegt an den Pheromonen ... der Duft des Selleries erinnert an die menschlichen Pheromone, die im Achselschweiß enthalten sind. Und das macht wuschig. 

Die Jakobsmuschel gibt ebenfalls richtig Gas an der Wuschigkeitsfront - und das wegen ihrer Inhaltsstoffe: Zink, Eiweiß, Mineralien - das bringt Tinte auf den Füller, führt zur Dopaminausschüttung und sorgt für Glücksgefühle.

Auch schön bei diesem Gang: Das Mouthfeeling - alles schön soft und geschmeidig und seidig ... mmmhh!

Suppenphalanx
Jakob auf dem Schaum
Damit die Suppe nicht so trocken die Kehle runter muss, bekommt sie einen schön anschmiegsamen Weißburgunder vom Weingut Rings an die Seite gestellt. Die zwei vertragen sich gut, nehmen die Muschel bei der Hand und tanzen einen kleinen RingelReigen.

Der dritte Gang: Tantrisch Asiatisch. Wurde beigesteuert von Kochkollege Kemmler und ist ein wahres Feuerwerk an Viagra aus der Natur. Sinnlich duftendes Curry. Chili, blutreinigend, anregend, schweißtreibend, glücklich machend. Safran überm Reis: betörend und soll vor allem die weiblich Begierde zum Erglühen bringen. Und dann noch Ingwer: Seine ätherischen Öle bringen das Blut zur Wallung und wirken zudem reinigend.

Dieser vegetarische Gang huldigt dem Tofu, welches zuvor liebevoll selbst geräuchert wurde - der beigefügten Zwiebel wurden ihre potentiell Romantik zerstörenden Nebenwirkungen, der mehrkanaligen Geruchsbelästigung nämlich, genommen, indem sie zuvor in rotem Sake blanchiert wurden. Ein raffiniertes Gericht, das der Herr Kemmler da ersonnen hat!

Tantrisch Asiatisch: Ein sinnliches Erlebnis mit jeder Menge Kräutern.

Begleitet wird dieser Gang von einem Gewürztraminer aus den Weingärten von Alois Lageder in Südtirol. Der Gewürztraminer punktet hier mit seiner Opulenz und seiner Aromafülle. Das passt ganz wunderbar zu dem bunten Strauß von Aromen, den das Curry mitbringt.


Der vierte Gang: Liaison von Kalb und Trüffel. Trüffel. Allein der Duft ist wollüstig. Schauen wir auf die Wissenschaft - die edlen Untererdpilze produzieren den Sexuallockstoff Androstenol ... und dieser soll besonders bei den Damen zu spontanen Arterhaltungsbetätigungen motivieren. Die Soße ... Entschuldigung ... die Jus (Schü) ... und das Pü sind geladen mit Trüffel.

Der Kohlrabi unterstützt den Trüffel mit Senföl-Glykosiden Selen, Folsäure und Vitamin C - diese Inhaltsstoffe heben die Laune, sind gut für die Konzentrationsfähigkeit und bauen Stress ab. 


Das Kalb wurde rund 5 Stunden bei 55° im Beutel mit Kräutern und Butter sous-vide gegart, war danach lockend rosa, hatte noch zarten Biss und war trotzdem wunderbar zart.

Liaison von Trüffel und Kalb mit Kohlrabi und Urkarotten als Zaungäste und getrockneten Wildblüten als Deko
Dazu in Glas: Der Urbulle vom Weingut Metzger in Asselheim, Pfalz. Ein 100%iger Portugieser von übe 100 Jahre alten Reben. Magie im Glas. Dunkel. Dicht. Intensiv. Ein Wein zum Verweilen. Und ein Traum zum Trüffel.

Der fünfte Gang: Passionierte Tonkaverführung. Die Tonkabohne ist aktuell eine Art Hipster unter den Zutaten der Hochküche. Gehyped und verteufelt. Der Hype kommt von dem einzigartigen vanillig-nussigen Geschmack und dem damit einher gehenden betörenden Duft (weshalb die Bohne auch in Herrenparfums eingesetzt wird) und den Geschichten zu der aphrodisierenden und leicht halluzinogenen Wirkung. Die Verteufelung kommt von dem enthaltenen Cumarin, dass auch in Waldmeister und Zimt enthalten ist und unter dem Verdacht steht in hohen Dosen krebserregend sein zu können. Die uneinige Wissenschaft dazu ist sich allerdings einig in dem immer geltenden Satz: dosis sola facit venenum. Die Dosis macht das Gift - und als sparsam verwendetes Gewürz in einem sehr selten genossenen Dessert gibt es soweit keinen Hinweis auf eine negative Wirkung.

Weitere wuschigmachende Zutat: Passionsfrucht! Sie enthät Vitaminen A, B und C auch Kalium, Phosphor (Phosphor ... sie erinnern sich?!), Eisen, Calcium und Magnesium.

Und außerdem: Vanille - Der Duftstoff der Vanille, das Vanillin, ist chemisch eng mit Pheromonen, den Sexuallockstoffen des Menschen verwandt. Schon die Indianerinnen im alten Mexiko rieben sich mit der Schote ein, um ihre erotische Anziehungskraft zu erhöhen.

All das vereint sich in einem NewYorkCheesecake mit Passionsfruchtgel mit einem Tonkabohneneis.

NYCheeseCake mit Passionsfruchtgel, Tonkabohneneis, NussKeksCrumble und getrocknete Physalis
Dazu ins Glas: Ein Süßwein. Der Ben Ryé von Donnafugata. Ein stolzer Sizilianer mit wuchtigen 14,5% Alc. und einer dichten Aromenstruktur von getrockneten Aprikosen, Feigen und Honig. Vollkommen zu Recht bekommt der Ben Ryé im Weinführer stabil die Hüchstnote von 3 Gäsern und wurde bereits zum besten Süßwein Italiens gekürt. 

Der sechste Gang: Flammende Herzen. Das finale wird herzig. Und ein bisserl kitschig, weil schon SEHR herzlastig. Ein aphrodisierenden Elementen kommt die Erdbeere nochmals vorbei - dieses Mal in der besonders juckigen Kombination mit grünem Pfeffer. Und außerdem jetzt endlich am Start - die SCHOKOLADE. Wurde ja auch Zeit! Amy Reiley schreibt in ihrem Buch Romancing the Stove: The Unabridged Guide to Aphrodisiac Fooddass Schokolade das Blut zu verdünnt, die Durchblutung empfindlicher Körperstellen verbessert und das Herz stärkt, was die Ausdauer erhöht. Zudem dieser Schmelz ... und was man alles damit einschmieren kann ... und was man mit den eingeschmierten Ste ... ich schweife ab. Entschuldigung ... (steht auf ... geht kurz kalt duschen ... kommt erfrischt zurück).

So finden sich denn auf dem Teller ErdbeerGeleeHerzen mit grünem Pfeffer, ein KokosPannaCottaHerz mit Brombeere und ein SchokoladenHerz mit Chili. Unterschlagen habe ich die Mousse au Chocolat mit schwarzem Pfeffer und VanilleSalz - die hatte zwar eine gute Struktur - aber Salz und Pfeffer stritten sich sehr und so war von beiden zu viel drin ... was die Balance zu Fall brachte.

Herziges Ende. Nicht im Bild: Verunglückte Mousse.
Als Getränk zum Abschluss: Ein roter Portwein. Port und Schokolade sind ohnehin alte Kumpane, die schon oft um die Häuser gezogen sind, sich blind verstehen und schon so manchen Gaul zusammen gestohlen haben.

Und so ging es dann zu Ende mit dem Ende des zweiten Durchlaufs des auf den Abend zugeschnittenen Soundtracks, den es natürlich auch wieder zum Nachhören gibt:




Danke nochmals in besonderem an Kochkollege Kemmler und an all die tollen Gäste!

Ich freue mich auf die nächste Runde: 28.03. - TV-Dinner!


Cheers!


Marc
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