Sonntag, 7. September 2014

SupperClub12 - 7 Deadly Sins - Retrospektive

Sündigen macht ja einen Höllenspaß. Gut, das ist nichts Neues ...  ist ja bekannt ... und man weiß auch schon seit langem: Alles was Spaß macht ist entweder illegal, unanständig oder macht dick. Ja. Und?

Immerhin war keine unserer SupperClubSünden illegal ... soweit ich weiß ...

Bemerkenswert: Grade bei diesem sündigen Thema war die teilnehmende Gruppe engagierter und bewusster Sünder extrem pünktlich. Niedagewesenpünktlich. Das hat mich sehr gefreut. Dieser tugendhafte Kontrapunkt. Toll! Und ungemein angenehm war die Truppe noch dazu: Experimentierfreudige Schlemmer, die sich mutig an die Grenzen wagen. Danke!!!

Das Menü gestaltete sich nach etlichen Iterations-, Meditations- und Inspirationsrunden wie folgt:

Das Menü
Mit HOCHMUT begann der Abend. Snobbistisch und eitel. Mit Prickelbrause von Roederer in der Flöte und mit canapéisker Häppchenbegleitung mit zum einen einer Hummerpastete und zum anderen Kaviar mit Schmand. 

arrogante Häppchenphalanx
Ein superbiastischer Start in den Abend.

GEIZ war die nächste Sünde.
Und Geiz ist für mich die mieseste aller 7. Dieses abklemmermäßig Kasteiende mit einem Hang zur Geißelung. Lustfeindlich. Man schadet damit sich und anderen. Ungeiler geht's nicht. Aber mei ... was will man machen. Muss man halt kreativ damit umgehen. 

Geizig klingt das Gericht: Pellkartoffel. Grüner Salat ohne Dressing. Leitungswasser. Und genaugenommen gab es ja auch genau das. Gut ... keiner wurde dran gehindert bei dem Gang weiter Schampus zu süffeln. Und die Kartoffel war ein Pell - nur eben eine französische Trüffelkartoffel (die sind lila), gefüllt mit einem Wachtelei. Beträufelt mit Steinpilzbutter und frisch gehobelter Parmesan on top. Aber der Salat hatte wirklich kein Dressing! Und die Portion war geizig winzig.


Nach dem Geiz ging es dann in die Vollen - eine meiner drei Lieblingstodsünden (bei welchen ich mich einfach nicht für eine Reihenfolge entscheiden kann): WOLLUST. Hier ist es ja ganz wichtig, kein L zu viel in das Wort zu basteln. Sonst ist man einem ultra kreativ benamsten Laden für Strickbedarf. Und das wäre mir für diesen Abend einfach nicht sündhaft genug ...

Die Wollust ist fischig und auf dem Teller tummeln sich ein Lachstatar mit Ei, Kapern, Koriander, Gurken und Senf. Ein aphrodisierender Salat aus Fenchel, Sellerie und Orangen. Eiweißspendende Garnele mit einer fast schon obszönen Trüffelmayo. Und eine Jakobsmuschel in zarter Passionsfruchtsoße. Eine Aromenringelpietz. Eine Orgie.

aphrodisierende Aromenorgie mit ausreichend Eiweiß
Dieser Gang braucht Wein: Sauvignon Blanc von Alois Lageder aus Südtirol. Der schmeckt wie ein frischer Obstkorb, der bei zartem Wind auf einer Sommerwiese steht. Und das passt geschmeidig.

Nach ordentlicher Wollust macht sich der Frieden eines wohligen Erledigtseins breit. Und dagegen muss direkt etwas unternommen werden. Faulheit kommt erst später und wir sind nicht mal bei der Halbzeit des Menüs.

Wir wecken alle wieder auf mit ZORN!
Und zu dem ungebändigten Furor braucht es was Scharfes. Chili! Jüngst habe ich mich mit der Materie der JalapenoPoppers ja forscherig auseinander gesetzt in einer Experimentalkochsession - und bei diesem SupperClub kam nun dieses Rezept heraus. Die Poppers sind Herzstück von Zorn - an ihrer Seite: eine ernsthaft scharfe HabaneroSalsa und ein milder KorianderFrischkäseDipp. Und eine rabbiate Lasagnevariante.

Zorn
Zorn auch im Glas. Der selbst entwickelte ThaiTonic erfrischt mit herber Würze - bei diesem Cocktail dient ein Gin Tonic als Basis, bekommt aber Gesellschaft durch Chili, Koriander und Limquat im Glas. Man muss Feuer mit Feuer bekämpfen! Und das Feuer hat gewonnen.

Als der Zorn verraucht war, war die Zeit gekommen der Patensünde des Abends zu begegnen: der VÖLLEREI. Na das wurde aber auch langsam Zeit.

Patentier bei der Patensünde war das Schwein, weil es ja quasi synonym für diese Sünde steht - fressen wie ein Schwein und sich mit Grunzlauten genüsslich suhlen ... mmmmhhh. Und so begab es sich, dass bei diesem Gang die Sau in mannigfaltiger Darreichungsform den Teller belebte.

Filet im Geflecht
baconenes Flechtwerk
Vermutlich durch die frühere Wolllustassoziation handarbeitstechnisch motiviert war ein Teil dieses Gangs komplexes Flechtwerk aus Bacon. Alles ist ja bekanntlich besser mit Bacon und da schadet es auch nicht, wenn er geflochten ist. Die heilige Aufgabe des leckeren Teppichs war der Schutz des Schweinefilets vor Austrocknung und dieser Aufgabe kam er mit Passion und großem persönlichen Einsatz nach.

Weiterhin auf dem Teller: Schweinebauch in einer cremigen SakeReduktion. Rosenkohl mit Speckwürfeln und gebratene Champignons, geschwenkt in dem Baconfett des in gleicher Pfanne zuvor angebratenen Geflechts. Komplett schweinefrei aber sehr harmonisch zu Sauerei passend: Ein Klecks Blumenkohlpü mit Marzipan. Eine Beilage auf der, würde an Schild dran hängen, stünde: Für Schwein gemacht!

Was für eine Sauerei, die Völlerei
Als Getränk kommt zum Einsatz, was sich bereits beim Foodporn-Abend als toller Schweinebegleiter präsentierte: Der Pornfelder von dem Mann mit Hut. Dieser edle Pfälzer, wie der Name schon deutlich sagt: Eine Cuvée aus PORtugieser und dORNfelder harmoniert wunderbar. Die zarten Tannine und die fruchtige Frisch schmiegen sich an das Schwein und vertragen sich auch und besonders mit der Sakereduktion. Mit dem Bacon sowieso.

Nach dem fünften Gang zeigen die Gesichter der Sünder erste Zeichen von Völlereiwirkung und eigentlich wäre schnurrend am Kamin liegen jetzt genau das richtige. Richtig schön faul sein. Weiter mit der FAULHEIT! Aber leider spielt dabei feistes Rumliegen keine Rolle - es wird aber deutlich: Engagiert sündigen, ernsthaft Völlern und wirklich faul sein - das ist harte Arbeit!

Der Faulheit wurde gehuldigt mit folgender Komposition: Short Ribs vom American Black Angus. 48 Stunden schön träge bei 64° in gewürztem Rotwein gegart. Dazu eine Instantpolenta, das ist was für totale Arbeitsverweigerer, so fix geht das - die wurde aufgemotzt mit Trüffelbutter, Sahne und crunchy Sea Salt. Dazu noch eine über Stunden lecker geschmurgeltes Ofengemüse und ein entspannt 3 Stunden seidenzart gegartes Onsen Ei.

so eingetütet garte die Rippe
so zart, dass sich der Knochen einfach so rausziehen ließ.
Das Gesamtarrangement
Als Getränk dazu kommt ein Rotwein, der aufgrund seine Opulenz ein wirksamer Faulheitsunterstützer ist. Ein breitschultriger Ami. Ein Zinfandel. Trinkbarer samt mit vergleichsweise zartem Obst, aber deutlicher Vanille. Der Boneshaker weiß was er kann und was er will. Und er möchte zu Ribs getrunken werden und danach schön müde machen.

Aber noch ist es nicht vorbei. Es ist 23 Uhr und wir haben noch nicht zu Ende gesündigt. Der NEID, der fehlt noch. Und der Neid kommt in einem Gang, den man nicht teilen will. Bei welchem man persönlich beleidigt ist, wenn der Nebenmann noch was auf dem Teller hat während der eigene schon sauber geleckt ist. Etwas, wo man sich um die Reste prügelt. Klaro: Es geht um Schokolade.

Auf dem Teller haben wir eine cremige Schokotarte, in Schoko getunkte Trauben, als Turm und mit Mandeln, ein Schokoeis, so dicht, dass kleine Eiswaffeln darum schwebend kreisen und ein weißer Schokoschaum.

Gib mir das!! Jetzt!
Es zeigt sich: Nach all dem Geächze und Gejammer - für Schokolade ist immer Platz und satt sein ist relativ.

Zu diesem Gang kommt ein 10 Jahre alter Tawny Port ins Glas, leicht bitter und ein engagierter Antagonist zur Schoki.

Als begleitende Musi gab es eine reichhaltige Auswahl aus dem von den 7 Sünden inspirierten Schatz zeitgenössischer Klangkunst. Um sich Anregungen fürs kreative Schaffen zu holen sind diese Sünden auch allerbestens geeignet und so gestaltet sich die Suche nach thematisch passenden Hymnen ganz einfach - hier kann man reinhören:


Und gegen 03:00 Uhr haben wir fertig gesündigt.

Weiter geht es mit SupperClub13 - am Samstag, den 18.10.2014, 19:30 Uhr s.t. - mit einer Reise durch StreetfoodKlassiker der Welt. ES SIND NOCH PLÄTZE FREI - JETZT BEWERBEN!














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